GMW - Gewerkschaft Mechernicher Bleiwerke

GMW Gewerkschaft Mechernicher Werke



Die GMW hatte die Mechernicher Bleibergwerke im Jahre 1911 übernommen. Das Unternehmen wurde zunächst von Bergrat Emil Kreuser und nach dessen Tod am am 23. Januar 1918 von Kreusers Schwiegersohn, dem Marineoberarzt a.D. Dr. Georg Molinari, und dem kaufmännischen Direktor Heinrich Osterspey geführt.

In der Interimszeit zwischen Kreusers Tod und Molinaris Dienstantritt war ein Neffe Emil Kreusers, Horten mit Nachnamen, Berwerksdirektor. Er ging als „der rote Horten“ in die Lokalgeschichte ein, weil er ohne gewerkschaftlichen Druck und ohne politischen Zwang den Acht-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich einführte. Auch gab Horten sei 1917 ein halbes Pfund Speck die Woche als Deputat an die Arbeiter aus.

Die GMW betrieb nicht nur das eigentliche Bergwerk, sondern auch die zum Teil noch vom Vorgänger, dem „Mechernicher Bergwerks-Actien-Verein“seit 1859 gegründeten „Nebenbetriebe“

Besonders die Mechernicher Waggonfabrik mit bis zu 400 Beschäftigten warf zum Teil stattliche Gewinne ab. Von 1909 bis 1925 wurden dort 5301 Staatsbahn-Güterwagen gebaut und 1936 wiederhergestellt. Auch Privatbahnen gehörten seit 1911 zu den Auftraggebern. 925 normalspurige Güterwagen wurden zwischen 1911 und 1927 im nichtstaatlichen Auftrag neugebaut und 538 repariert.

In den nichtstaatlichen Aufträgen enthalten war auch eine nicht näher bezifferte Anzahl von Güterwagen, welche die GMW-Waggonfabrik als Reparationslieferung gemäß dem Versailler Vertrag für die serbischen Eisenbahnen herstellen mußte.

Ein weiterer Nebenbetrieb am Bleiberg war die bereits 1864 an die Firma Gottfried Hagen in Köln-Kalk verkaufte Schrotfabrik. 1875 errichtete der Actien-Verein eine Fabrik für feuerfeste Steine. Als Material dienten tonige Abfallprodukte aus der Bleierzaufbereitung.

Der Waggonfabrik angegliedert und mit ihr wegen Auftragsmangel gemeinsam geschlossen wurde eine sogenannte Gesenkschmiede. Auch gab es am Bleiberg eine eigene Gasfabrik und ein Sägewerk. In werkseigenen Pferdeställen wurden bis zu hundert Vierbeiner gehalten, die für die Fuhrgeschäfte über und unter Tage eingesetzt wurden.

1910 beteiligte sich die GMW mit 16200 Mark an der insgesamt mit einem Gesellschaftskapital von 60000 Mark ausgestatteten „Baugesellschaft für elektrische Anlagen m.b.H.“. Dieses Unternehmen elektrifizierte weite Teile des Altkreises Schleiden – 1934 unter anderen auch die Ordensburg Vogelsang. Neben der Gewerkschaft Mechernicher Werke selbst waren auch die GMW-Funktionäre Kreuser, Molinari und Osterspey Gesellschafter der Baugesellschaft. Unter anderem verfügte dieser „Nebenbetrieb“ über ein Verkaufshaus für Elektroartikel in Euskirchen (Bahnhofstraße 5) und einem eigenen, von Osterspey ( Kurt Osterspey ? ) geführten Transformatorenbau.

Die Ertragslage der GMW war in den ersten Jahren nicht schlecht. Man verwendete Überschüsse, um technische Anlagen im Bleibergwerk uns einen Nebenbetrieben zu verbessern. Auch wurde rationalisiert: 1912 wurde die nicht mehr Zeitgemäße Magdalenenhütte dichtgemacht. An Ihrer Stelle wurde in den 20er Jahren eine damals hypermoderne Hütte errichtet, die das patentrechtlich geschützte „Wälzverfahren“ der Friedrich-Krupp-Grusonwerk-AG aus Magdeburg anwendete. Zwischendurch verkauften die Mechernicher Werke ihr aufbereitetes Erz an andere Schmelzhütten.

Sei Mitte des Jahres 1911 hatte sich der Bleipreis auf dem Weltmarkt erholt. Die mexikanischen und Australischen Minen produzierten wegen innerer Unruhen nämlich nur noch in geringem Umfang. Hinzu kam die vom Wettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg angeheizte Bleinachfrage in Europa.

Im ersten Weltkrieg selbst rentierte sich der Bleibergbaus ebenfalls prächtig. Das Deutsche Reich war isoliert und zahlte Höchstpreise für das dringend an den Fronten gebrauchte Mechernicher Blei. Anderseits wurden aber auch die Knappen zum Kriegsdienst einberufen.

Mitte 1915 standen 40 Prozent der Belegschaft unter Waffen. Die verbleibenden Knappen mußten auf Biegen und Brechen Blei produzieren – notwendige Aus- und Vorrichtungsarbeiten wurden angesichts des Mangels an „Menschenmaterial“ am Bleiberg erheblich eingeschränkt.





Kölner Stadt-Anzeiger – Sonderdruck „Ende auf Spandau“ Mitarbeit Anton Könen